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Das bisher größte Project der Jüdischen Gemeinde und des Fördervereins war die Umsetzung der bodenfelder Synagoge nach Göttingen. Die folgenden Seiten geben einen Überblick über diese ungewöhnliche Leistung.

Das Material hier entstammt dem Buch "Die Versteckte Synagoge" vom Förderverein Jüdisches Zentrum Göttingen e.V., Postfach 1843,37008 Göttingen. © 2008. veröffentlicht vom Verlag Die Werkstatt, ISBN 978-3-89533-637-9

SYNAGOGENKAUF

Ein Abenteuer mit klarer Zielsetzung

noch ohne Fenster, aber schon mit neuer Farbe, aufgenommen von Christian Jagielski.

Als sich der Förderverein Jüdisches Zentrum im Jahr 1998 entschied, die Bodenfelder Synagoge auf Bitten der Jüdischen Gemeinde zu kaufen, war allen Beteiligten klar: Sie hatten sich auf ein Abenteuer eingelassen — aber die Zielsetzung war ebenso klar: Die Bodenfelder Synagoge, eine der wenigen in Deutschland und die einzige in Südniedersachsen, die der Zerstörungswut der Nationalsozialisten nicht zum Opfer gefallen war, sollte mit einer neuen jüdischen Geschichte in Göttingen einen neuen Standort bekommen.

Ein Anknüpfen an lebendige jüdische Traditionen nach Hitlers Massenmord an der jüdischen Bevölkerung Europas war in Deutschland und in Göttingen nicht möglich — nur diese kleine Bodenfelder Synagoge, in der Hinterhausbebauung versteckt, war ein historischer Anknüpfungspunkt, unbesehen aller Unterschiede zwischen der kleinen Bodenfelder Gemeinde in den 30er Jahren und der wiedererstandenen Jüdischen Gemeinde Göttingen.

Klein und versteckt

Ausgangslage: Gut versteckt auf dem Hinterhof--die Synagoge mit Laubenanbau

Eine Translozierung des Gebäudes würde den Verlust des Denkmalschutzes mit sich bringen. Doch das war nicht nur von Nachteil, es eröffnete Möglichkeiten für eine Anpassung des Gebäudes. Kritiker merkten an: Die Synagoge sei zu klein — mit einem Innenmaß von 64 m2. Andere waren der Auffassung, ein Gebetraum brauche kein eigenes Haus, beten könne man überall. Eigentlich war klar: Der Förderverein kaufte die Synagoge. So gab es schon eine Synagoge, aber noch kein Grundstück, auf dem sie hätte stehen können.

Die Vorstände von Gemeinde und Förderverein waren sich einig über die herausragende symbolische Bedeutung der Synagoge als historischer Anknüpfungspunkt und zugleich der Tatsache, eine Synagoge, die als Schuppen und Scheune genutzt wurde, wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zuzuführen und vor dem Verfall zu retten.

Zweite Weihe

Auf diesem Weg gab es viele Hindernisse zu überwinden, lange und viele Gespräche und Verhandlungen zu führen. Der Förderverein, immer auf der Suche nach finanziellen Mitteln, entwickelte vielfältige Aktivitäten und seine Mitglieder engagierten sich vielfach persönlich.

Um einen kleinen Überblick über die Geschichte der Translozierung zu geben, hat sich der Vorstand des Fördervereins entschlossen, all das von ihm beauftragte Fotomaterial in einer Auswahl zusammenzustellen. Dazu haben wir einige Textbeiträge aufgenommen, die sich mit der Historie der Bodenfelder Synagoge beschäftigen, aberauch die zweite Weihe des Gebäudes am heutigen Standort in der Angerstraße umfassen. Darüber hinaus finden sich einige Grussworte wieder, die ihre Verfasser uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt haben. Auch längere Beiträge mit grundsätzlicheren Reflektionen sind aufgenommen worden.

Allen Autorinnen und Autoren gebührt herzlicher Dank — besonders eingeschlossen auch Detlev Herbst, der den Stein überhaupt erst ins Rollen brachte, die grundlegende Arbeit über die Geschichte der Bodenfelder Synagoge geleistet hat und uns sein Wissen und Werk uneingeschränkt zur Verfügung gestellt hat. Die offizielle Einweihung der Synagoge — der Göttinger Synagoge — 70 Jahre nach der Pogromnacht in Göttingen, war uns ein guter Anlass, dieses Buch herauszubringen.